werkgruppe2

Seit zehn Jahren arbeitet werkgruppe2 als freies Theaterkollektiv; seit 2009 versucht werkgruppe2 in dokumentarischen Projekten soziale Wirklichkeit aus der Perspektive von Menschen zu beschreiben, die zu gesellschaftlichen Minderheiten, Unsichtbaren, Ausgeklammerten zählen. Beruhend auf einer ausführlichen journalistischen Recherche, entstehen atmosphärisch und erzählerisch dichte Inszenierungen, welche die Grenzen von Schauspiel und Musiktheater, Dokumentation und Fiktion ausloten. Ausgangspunkt für die Textfassung sind narrative  Interviews, die meist eine klar umrissene Perspektive auf ein Thema erfassen. Aus diesen Erzählungen schafft werkgruppe2 ein komponiertes Textgeflecht, das auf der Bühne mit einem professionellen Schauspiel-Ensemble in einem stark künstlerischen, partei-ergreifenden, interpretatorischen Zugriff umgesetzt wird. Die Musik, die in jeder Produktion live beteiligt ist, besteht aus Neu-Kompositionen, häufig aus verschiedenen, ungewöhnlichen Klangquellen, und ist auf der Bühne gleichberechtigtes Element, indem sie das Thema der Recherche und die Arbeit insgesamt kommentiert und differenziert. Dabei stellt werkgruppe2 sich stets Fragen danach, was Dokumentation bedeutet, wie Wirklichkeit abgebildet wird und wie stellvertretend für Menschen gesprochen werden kann?

Die werkgruppe2 besteht aus der Regisseurin Julia Roesler, der Musikerin und Komponistin Insa Rudolph, der Dramaturgin Silke Merzhäuser und der Videografin Isabel Robson. Darüber hinaus gibt es bei jedem Projekt assoziierte Künstler*innen, die das Ensemble für die jeweilige Produktion bereichern.

Neben eigenen Produktionen hat die werkgruppe2 Koproduktionen mit dem Deutschen Theater in Göttingen und dem Oldenburgischen Staatstheater realisiert und war 2013-15 im Rahmen des Fonds Doppelpass der  Kulturstiftung des Bundes Partner des Staatstheater Braunschweig. 2014 hat werkgruppe2 das internationale Projekt ERDBEERWAISEN in Kooperation mit dem Nationaltheater Craiova/Rumänien und dem Staatstheater Braunschweig realisiert, das im Rahmen von "The Art of Ageing" einem Initiativprojekt der European Theatre Convention und gefördert durch das Kulturprogramm der EU stattfand.
Im Rahmen der Doppelpass-Förderung hat werkgruppe2 mit dem Staatstheater Braunschweig einen STRUKTURDIALOG initiiert, entworfen und geleitet von Achim Müller, Leiter des Zentrums für Audience Development der FU Berlin, um herauszufinden, wie Freie Gruppe und Stadttheater „auf Augenhöhe“ zusammenarbeiten können, welche Modalitäten dafür Bedingung sind und wo Konfliktlinien verlaufen. In dieser letztlich kulturpolitischen Debatte engagiert sich werkgruppe2 auch zukünftig.

Derzeit überarbeitet werkgruppe2 das Konzept der dt-pol. Koproduktion ARBEITERINNEN, die im Mai 2020 bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Premiere haben sollte und aufgrund der COVID19-Pandemie verschoben wurde. Zuletzt entstand Herbst 2019 als künstlerisches Forschungslabor das Storytelling-Projekt TRANSIT, das durch das Sonderprogramm GLOBAL VILLAGE LAB des Fonds Darstellende Künste initiiert wurde sowie die Inszenierung ÜBERLEBEN am Oldenburgischen Staatstheater.

Das erste Filmprojekt MARINA (basierend auf der Inszenierung POLNISCHE PERLEN) wurde von der Nordmedia durch die Talentförderung finanziert, beim DOK.Festival in Leipzig 2018 mit der Goldenen Taube für den besten deutschen kurzen Dokumentarfilm ausgezeichnet und läuft seitdem auf nationalen und internationalen Festivals. Der erste Langfilm IM DORF (AT) Ist in Entwicklung; basierend auf dem Material der Langzeitrecherche fördert die Nordmedia die Drehbuchentwicklung.

 


Das Reale muss fiktionalisiert werden, um gedacht werden zu können, so der französische Philosoph Jacques Ranciére.

Biographien

Insa Rudolph – Musikerin und Komponistin
Sie studierte Jazz-Gesang am Conservatorium van Amsterdam. Seit ihrem Diplom arbeitet sie als freischaffende Sängerin und Komponistin. Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens ist das durch ungewöhnliche Klangquellen inspirierte Komponieren von Songs, in denen sich Fremdes und Vertrautes zu einem alternativen Gesamtklang zusammenfügen. Sie arbeitet zudem als Komponistin für Dokumentarfilm-Musik, wie für National Bird und zuletzt Enemies of the State (Premiere Tribeca Filmfestival 2020). Sie ist Gründungsmitglied des freien Theaters werkgruppe2 und arbeitet dort für fast alle Produktionen als Komponistin, Musikalische Leiterin und Bühnenmusikerin. Insa Rudolph lebt zur Zeit in Bogotá.

Julia Roesler – Regisseurin
Sie studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim, Gaststudien in Freiburg und Argentinien. Seit ihrem Diplom arbeitet sie als freischaffende Regisseurin und Theaterpädagogin. Außerdem hatte sie Lehraufträge an der HBK Braunschweig, Mozarteum Salzburg, Uni Hildesheim und der Bundesakademie Wolfenbüttel. Sie ist Gründungsmitglied des freien Theaters werkgruppe2 und führte dort Regie bei allen Produktionen.

Silke Merzhäuser - Dramaturgin
Sie studierte Politische Wissenschaft, Literaturwissenschaft und Sozialpsychologie an der Universität Hannover. Seit 2000 arbeitete sie zunächst Dramaturgie-Assistentin am schauspielhannover und Theater Basel, im Anschluss als Dramaturgin am Luzerner Theater. Von 2007 bis 2009 war sie Dramaturgin am Deutschen Theater in Göttingen; dort betreute sie vor allem interdisziplinäre Veranstaltungen und Theaterprojekte, wie FRIEDLAND mit der werkgruppe2. Lehraufträge an der Universität Göttingen, dem Mozarteum Salzburg, im SoSe 2020 an der Universität Hannover. Seit 2009 ist sie als Dramaturgin Teil der werkgruppe2.

Isabel Robson - Video
Sie studierte Bühnenbild am Central Saint Martins in London und Video-Postproduktion an der École nationale superiéure des Arts Décoratifs in Paris. Seit 2001 ist sie freiberufliche Szenographin mit Schwerpunkt auf Videodesign für die Bühne. Nach ersten Arbeiten am  Theater Basel (Schweiz) und am Nationaltheater London, war sie an verschiedenen deutschen Theatern (Deutsches Theater Berlin, Schaubühne, Maxim Gorki Theater). Mit Vincent Boussard und seinem Team hat sie Opern realisiert, darunter Candide (2011), Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (2014) an der Berliner Staatsoper und Otello (2016/7) bei den Salzburger Osterfestspielen und der Semperoper, Dresden. In Zusammenarbeit mit Susanne Vincenz wurde ihre Filminstallation der Kafka-Fragmente von György Kurtág im Jüdischen Museum, Berlin (2013), im Rahmen eines Kurtág-Festivals im Konzerthaus Dortmund im Jahr 2020 wieder gezeigt. Mit werkgruppe2 hat sie BLANKENBURG (2014), TRANSIT (2019) und ARBEITERINNEN (2019/20) entwickelt und vor allem bei dem Kurzfilm MARINA (2018) Kamera und Schnitt übernommen. Lehraufträge an der HZT/ HfS Ernst Busch, Berlin.

 

Kontakt:

werkgruppe2
An der Kapelle 23
37124 Rosdorf

roesler(at)werkgruppe2.de
merzhaeuser(at)werkgruppe2.de
rudolph(at)werkgruppe2.de