IM DORF. Langzeitrecherche

Im Zentrum der Geschichte steht das Leben einer jungen Frau in einem Dorf an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die seit kurzer Zeit schwanger ist von ihrem Freund, einem jungen syrischen Kurden, der als Asylsuchender nach Deutschland gekommen ist und in einem Heim für minderjährige Flüchtlinge lebt. Die Reaktionen der Dorfgemeinschaft auf dieses Ereignis waren vehement, Meinungen und Verurteilungen wurden schnell geäußert. In der Langzeitrecherche über zwei Jahre wird beobachtet werden, wie die Auseinandersetzungen der Betroffenen, der Familie und der Dorfgemeinschaft über diese Beziehung und ungeplante Schwangerschaft verlaufen.

Wovon ist es abhängig, wie über das Ereignis gesprochen wird – von persönlichen Beziehungen zu den Betroffenen, von der Funktion innerhalb der Dorfgemeinschaft, von der politischen Anschauung, von der Vernetzung mit der Welt außerhalb des Dorfes?  Wie finden sie mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen in Kindheit und Jugend zusammen und wie positionieren sie sich im dörflichen Lebensumfeld? Was sind die Herausforderungen für das junge Paar, wo erfahren sie Unterstützung oder Ablehnung?
Wie verläuft ein solcher zugleich individueller wie zivilgesellschaftlichen Prozess innerhalb dörflicher Strukturen?

Wenn eine sagt, sie komme „vom Dorf“, meint sie damit mehr als nur: Ich komme aus einer kleinen Ansammlung von Häusern auf dem Land. Vom Dorf kommen heißt auch: Ich komme woher, wo es eigentlich ein bisschen langweilig ist, ein bisschen piefig; aus einem Ort, von dem man eigentlich weg will. Denn auf dem Dorf kennt jeder jeden. Und jeder weiß, was jeder so macht. Da fällt es schwer, sich individuell zu entfalten. Das Dorf ist klein und konservativ, es regiert immer dieselbe Partei und wenn Fremde kommen, dann werden die erst mal kritisch beäugt.

erste Präsentation HERBST 2017

Recherche
Julia Roesler
Silke Merzhäuser
Insa Rudolph

gefördert durch