Soldaten

Ein szenisch-musikalischer Einsatzbericht

Warum meldet sich jemand freiwillig zum Kriegsdienst?  Was machen unsere  Soldaten täglich in Afghanistan? Wie geht man damit um, wenn man die Bilder aus dem Einsatz nicht mehr los wird? Und wie fühlt es sich an, nach einem Auslandseinsatz in eine Gesellschaft zurück zu kommen, für die man sein Leben riskiert hat, die sich dafür aber gar nicht interessiert?
Auf der Basis von Interviews mit aktiven und ehemaligen Soldaten der Bundeswehr haben wir ein szenisch-musikalisches Kaleidoskop entworfen, in dessen Mittelpunkt  die Berichte, Eindrücke und Erlebnisse im Ausland stationierter Soldaten stehen.

 

Video hier

"Da hab ich nen Fehler gemacht, nen ganz großen Fehler hab ich da gemacht!"

Pressestimmen

Deutschlandfunk/ Hartmut Krug
In Göttingen haben eine Regisseurin und zwei Dramaturginnen aus Interviewmaterial ehemaliger deutscher Soldaten im Ausland ein Stück gemacht - ein beunruhigend ruhiger, konzentrierter Abend.
... klugerweise wird nicht versucht, eine Kriegsatmosphäre zu schaffen, sondern es wird einfach ein Gefühl von Fremdheit und leichter Ungemütlichkeit hervorgerufen...
Nicht anklagend, nicht effekthascherisch, nicht mit äusserlicher Beeindruckungsgestik wird all dies vorgestellt, sondern in einem ruhigen szenischen Nachdenken.

Nachtkritik/ Michael Laages
Die in Göttingen bereits mit einem Projekt über das nahe gelegene Grenzdurchgangslager Friedland nachhaltig aufgefallene Regisseurin Julia Roesler hat daraus (aus Soldateninterviews) einen ebenso eindrucksvollen wie beunruhigenden, in mancherlei Hinsicht schwer erträglichen Theaterabend geformt in grandiosem Ambiente.Die Göttinger "Soldaten" sind ja nur so krank wie die Gesellschaft, die sich ihrer bedient, um eine politisch strittige Rolle zu spielen im Gefüge der globalisierten Welt; sie sind arme Schweine, und manchmal sind sie selbst schuld daran. Gegenüber vom Ausgang der Salinenhalle liegt ein einsamer Kranz: von einem Veteranen-Verein; für einen, der vor zwei Jahren in Afghanistan starb.

Deutsche Welle/ Jürgen Jenauer
Körperlich erschöpft, seelisch gebrochen, jahrelang an den Erinnerungen an diese Extremsituationen leidend kommen viele deutsche Soldaten aus den Auslandseinsätzen zurück. Regisseurin Julia Roesler sagt, das Stück sei nicht nur vor dem Hintergrund des Libyen-Konflikts aktuell, es solle auch verdeutlichen, wo überall in der Welt deutsche Soldaten kämpfen und gekämpft hatten - und oft nicht mehr wissen, wofür eigentlich.
Zwischen zehntausenden leeren Patronenhülsen deklamieren die Schauspieler ihre Texte. Mehr Bühnenbild braucht es nicht im alten Speicher der Saline Luisenhall, in der die Aufführung stattfindet. Die Stimmung ist fast gespenstisch ruhig und nachdenklich. Was ist aus den Männern geworden, die dieses Land in den Krieg geschickt hat?

Deutsche Bühne/ Jens Fischer
Aktuelle Dramentexte über Probleme, derzeit fürs deutsche Militär zu arbeiten, sind auf Spielplänen nicht zu finden. Machte sich die Göttinger Werkgruppe 2 um Regisseurin Julia Roesler an ein Tabuthema? „Dass nach den Erfahrungen mit der Wehrmacht seit 15 Jahren schon wieder weltweit deutsche Soldaten diverse Kriege führen, das verdrängt man halt gern“, erklärt Roesler. (…) Da sonst keiner mit Soldaten redet, reden sie jetzt aufs Publikum ein. Von den Gründen der Jobwahl, dem überfordernden Arbeitsalltag, der rohen Brutalität des Krieges ist zu erfahren, von irreparablen Verletzungen an Leib und Seele und den vergeblichen Kämpfen um Entschädigung. (…) Dann spendieren die Mimen den Zuschauern zwei Kisten „Göttinger“-Pils. Geschenke stimmen freundlich, Alkohol sediert. Das nutzt Roesler heimtückisch, um nun die übelsten Sentenzen darzubieten – wie Hass auf Moslems, Gewaltgeilheit, Terrorfantasien, Homophobie. Beängstigend authentisch.

Premiere:
11.09.2011

Saline Luisenhall
Altes Magazin
Göttingen

Recherche werkgruppe2 &
Anna Gerhards
Inszenierung Julia Roesler
Musik Insa Rudolph
Bühne Nicola Antonia Schmid
Kostüme Julia Schiller
Dramaturgie Anna Gerhards
Autorinnen Julia Roesler &
Isabelle Stolzenburg

 

In Kooperation mit dem Deutschen Theater in Göttingen und dem Göttinger Knabenchor

Mit  Andreas Jeßing, Nikolaus Kühn, Bernhard Meyer, Karl Miller, Leif Scheele, Martin Schnippa und Sängern des Göttinger Knabenchors

                             Saline Luisenhall

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